Erinnerung an die Sturmflut des Jahres 1962

Foto: Der auf einer Breite von 60 Metern bei Völlen weg geschobene Deich wurde in der Nacht zum 17. Februar 1962 und im Tagesverlauf provisorisch repariert.

Am 16. Februar 2015 jährt sich zum 53. Mal jene Nacht, in der eine schwere Sturmflut auch die Menschen entlang der Ems in Angst und Schrecken versetzte. Die Stadt Leer war zwar durch die Schleuse relativ geschützt, aber der Stadtteil Bingum jenseits der Ems war gefährdet. Dass Deichvorland wurde überspült, und der Sturm peitschte das Wasser gegen die Fensterscheiben des Bauernhauses, das komplett vom Wasser umgeben war. Später wurde das Gebäude abgerissen um Platz für den neuen  Deich zu schaffen.

Der Bauer erinnerte sich später, dass das Wasser irgendwann nicht mehr stieg und sogar zu fallen schien. Etwa zur selben Zeit bemerkten auch die Männer, die bei Kirchborgum gegen den Bruch des Deiches kämpften, dass der Wasserspiegel plötzlich um etwa zehn Zentimeter sank, wenig später hatten die Menschen auf dem Deich im emsländischen Tunxdorf dasselbe Gefühl. Irgendwo musste der Deich gebrochen sein.

Nein, nicht gebrochen, regelrecht weggeschoben hatte ihn die Flut, und zwar vor der Seeschleuse in Papenburg und auf einer Breite von etwa 60 Metern. An dieser Stelle war der Deich noch nicht erhöht worden, hier war die Schwachstelle, die den Bürgern der Gemeinde Völlen zum Verhängnis wurde, die sie großflächig unter Wasser setzte. Insbesondere die „Gärtnersiedlung“ wurde zerstört, Existenzen vernichtet. Dass der finanzielle Schaden für die Betroffenen dennoch letztlich gering blieb, war auch der Spendenbereitschaft der Bevölkerung zu verdanken.

Die ganze Nacht hindurch kämpften Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Bundeswehrsoldaten gegen die Flut, und als die Ebbe einsetzte, die eigentlich keine war, beeilten sie sich, den Deich provisorisch zu reparieren, um für die nächste Flutwelle gewappnet zu sein. Glücklicherweise legte sich der Sturm bald, und der nächste Angriff auf den Deich blieb aus.

Nach der Katastrophe wurden Maßnahmen ergriffen, um solche Katastrophen zu verhindern. Es wurden Straßen am Deich entlang angelegt, die im Bedarfsfall der „Deichverteidigung“ dienen, die Deiche wurden erhöht und so konstruiert, dass Wasser weniger Angriffsfläche hat, und vor allem wurde das Ems-Sperrwerk gebaut. Seit jener Zeit ist das Hochwasser bei Sturmfluten mehrfach höher aufgelaufen als in jener Schreckensnacht, Schaden hat es dabei kaum angerichtet. Ob das auch künftig so bleiben wird, wenn der Meeresspiegel wie prognostiziert ansteigt?



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