Erinnerungen einer Hundertjährigen

Hilda Duis blickt auf ihre Leben zurück

Foto: Die Aufnahme zeigt Hilda Schmidt und Alfred Spanjer, das Paar heiratete im Jahr 1932.

Wie lebten Kinder in der Zeit der Weimarer Republik, wie hat eine junge Mutter den Zweiten Weltkrieg in Ostrhauderfehn erlebt, wovon und wie hat die Familie gelebt? Wenn man wie die in der Kirchstraße von Ostrhauderfehn lebende Hilda Duis 100 Jahre alt geworden ist, kann man viel erzählen. Neun Kinder hatte ihre Mutter zur Welt gebracht, mit 17 Jahren das erste und mit 44 das jüngste. Im Ersten Weltkrieg hätte der Vater Albert Schmidt beinahe sein Leben verloren, als er auf dem Schlachtschiff „Derflinger“ an der Skagarak-Schlacht teilgenommen hatte. Mit dem Leben davon gekommen, durchlebte die Familie, wie Tausende andere auch, die harten Jahre der Weimarer Republik. Kaum ging des den Menschen unter den „braunen Herren“ scheinbar besser, wurde der Vater von inzwischen neun Kindern erneut in den Krieg eingezogen wurde. Als das Feuerschiff, auf dem er jetzt Dienst tat, 1945 versenkt wurde, war eines von nur zwei Besatzungsmitgliedern, die diese Katastrophe überlebten.

Hilda Schmidt, verheiratete Spanjer und Duis, war sein zweites Kind. Altjeline, die erste Tochter, hatte die Mutter Wemkea noch „unehelich“ zur Welt bringen müssen, weil sie im Alter von 17 Jahren nicht heiraten durfte. Als sie im Jahr 1936 ihr neuntes Kind gebar, feierte sie im selben Jahr Silberne Hochzeit mit ihrem Mann.

Zunächst wohnte Familie Schmidt in der damaligen 1. Ostwieke von Ostrhauderfehn, der heutigen Hauptstraße. Von dort zog die Familie im Jahr 1923 mit dem Schiff in die 2.Südwieke um, die heutige Kirchstraße. Hilda und ihre ältere Schwester Altjeline schliefen dort im Haus ihrer Großeltern Butze an Butze mit ihrem taubstummen Onkel Friedrich Schoon, der eines Tages an Tuberkulose starb. Im Jahr 1929 brannte das Haus ab, und die Familie wurde vorübergehend von einer „Hexe“ aufgenommen.

Zur Schule am Ende der 2. Südwieke ging es im Sommer barfuß. Dabei trat man sich häufig Dornen in die Füße, die beim Schnitt der Hecken auf den Gehweg gefallen waren. Die Mutter puhlte sie abends mit der Nähnadel heraus. Die Familie versorgte sich weitgehend selbst. Im Garten wurde Gemüse angebaut, der Acker lieferte Roggen für das Schwein, und aus dem Appelhof gab es Obst. Im Winter saß die Familie beim Schein der Petroleumlampe zusammen, elektrisches Licht gab es nicht.

Zu ihren liebsten Erinnerungen gehört jene an die Teezeremonie am Sonntagmorgen. Dann wurden die Mutter, ihre ältere Schwester und sie im Bett vom Vater mit Tee bedient. Dabei spielte das Grammophon immer die drei selben Lieder, „und das war wunderschön.“

Im Jahr 1932 heiratete Hilda Schmidt Gerhard Spanjer, dem sie die Tochter Johanne und den Sohn Alfred gebar. Die Kinder aufwachsen zu sehen, war dem Vater nicht vergönnt. Er starb im Jahr 1941 bei Arbeiten vor der Insel Helgoland. Hilda Spanjer schlug sich jetzt als Einzelkämpferin durch, bis sie im Jahr 1947 mit Christoph Duis ihren zweiten Mann heiratete, mit dem sie keine Kinder bekam.

Mag sein, dass sie in ihrem Leben auch Hinrika Spieker, verheiratete Löning, au Holtermoor begegnet ist, deren Geschichte ebenso wie jene von Hilda Duis ausführlich im Magazin „Fehn-Leuchten“ beschrieben ist. Die Erinnerungen der hundertjährigen Osterfehntjerin enden am 7. März1952, dem Tag, an dem ihre Mutter Wemkea im Alter von nur 60 Jahren verstarb.

Das Magazin ist im örtlichen Buchhandel und beim Autor Heinz Giermanns in Rhauderfehn erhältlich.


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