„Germanen“ zahlten Lehrgeld

Leer. Nach der Einführung der Zeitungsleser in die Theorie des Fußballspiels erschienen im Verlauf des Jahres 1903 die ersten Artikel über die neue Freizeit-Attraktion. Im Oktober jenes Jahres war im „Leerer Anzeigeblatt“ („LA“): „Der hierorts in diesem Jahre gegründete Fußballklub „Germania“ übte gestern Nachmittag auf dem Übungsplatz – Wallers Wiese. Ein zahlreich erschienenes Publikum folgte mit Interesse den einzelnen Entwicklungsstufen des Spiels. Die Mitglieder des Vereins haben sich bereits gute Fertigkeiten im Spiel angeeignet, so dass sie bei dem im nächsten Monat mit dem seit einem Jahre etwa bestehenden Fußballklub „Fresena“-Norden verabredeten Wettspiel sich als nicht gerade ungeübte Gegner messen können. Man darf auf den Ausgang dieses Kampfes gespannt sein.“ Regelmäßige Ligenspiele gab es damals noch nicht.

Einen Monat nach diesem „Vorbericht“ schaltete „Germania“ eine Anzeige in der Zeitung, mit der dazu eingeladen wurden, dem „Fußball-Wettspiel“ gegen die Mannschaft aus Norden beizuwohnen, das am 29. November auf der „Wallerschen Wiese“ stattfinden werde. Im Nachbericht wird zunächst festgestellt, dass das Spiel bei schönem Winterwetter stattgefunden hatte. Dann ist zu lesen: „Zu beiden Seiten des Spielfeldes hatte sich ein zahlreiches Publikum eingefunden, das den interessanten Bewegungen mit der größten gespanntesten Aufmerksamkeit zusah. Es gelang der Mannschaft der „Fresena“ im Laufe des sehr lebhaft geführten Wettkampfes den Ball dreimal durch das Tor der „Germanen“ zu bringen, während die Leeraner leider keinen Erfolg erzielen konnten. Jedenfalls zeugt es aber von einem guten Spiel der Mannschaft der „Germania“, die erst seit wenigen Monaten übte und sich zum ersten Mal an einem Wettspiel beteiligte, dass die Spieler des Norder Klubs – die bereits zahlreiche Wettspiele mitgemacht – den Ball nicht öfter durch das feindliche Tor schlagen konnten.“ Man sieht, die Formulierungen waren noch gewöhnungsbedürftig. Der Ball wurde „gestoßen“ oder „durch“ (nicht „in“) das Tor „geschlagen“, und zwar nicht durch das „gegnerische“ sondern durch das „feindliche“

In dem Artikel heißt es weiter: „Es wurde von berufener Seite auch unumwunden zugegeben, dass die Leerer Mannschaft sich trefflich bewährt habe, und bei fleißiger Übung im Bälde eine vorzüglichen Wettmannschaft stellen wird. Als Schiedsrichter fungierte Herr Heimsath vom Fußballklub „Germania“ Oldenburg, der sich seines gewiss nicht leichten Amtes mit großem Geschick entledigte. – Im nächsten Frühjahr soll in Norden das Revanchespiel stattfinden.“

Das nächste trugen die „Germanen“ im Januar 1904 an selber Stelle gegen das Team aus Oldenburg aus. Vor dem wenig später stattgefundenen Rückspiel in Oldenburg war zu lesen: „Unser Sportklub „Germania“ sendet am morgenden Sonntag seine Mannschaft nach Oldenburg, wo sie mit dem dortigen Fußballverein „Germania“ ein Revanchespiel austragen soll. Bekanntlich errang bei dem im Januar hier stattgefundenen Wettspiel zwischen den beiden Klubs die „Germania“-Leer den Sieg. Da inzwischen in beiden Vereinen fleißig geübt wurde, darf mit gespannter Aufmerksamkeit dem Ergebnis des Kampfes entgegengesehen werden. – Wie bereits gestern durch Anzeige bekannt gegeben, werde die übrigen aktiven sowie auch die passiven Mitglieder freundlichst gebeten, sich an der Fahrt zu beteiligen, um nach getaner Arbeit, die interessant genug zum anschauen ist, ein Stündchen mit Sportgenossen zusammen zu sein.“

Nach dem Spiele war zu lesen: „Das am gestrigen Sonntag in Oldenburg auf dem Donnerschweer-Exerzieplatze zwischen dem hiesigen Sportklub Germania und dem Fußballverein Germania Oldenburg abgehaltene Revanchespiel endete mit einem siege der Oldenburger. Während es bei dem vorher gehenden Wettspiel beider Klubs in Leer den hiesigen Spielern gelang, den Ball viermal durch das Oldenburger Tor zu schlagen, brachten es die Oldenburger gestern fertig, zweimal den Ball durch der Leeraner zu bringen. Diese gaben somit ihren Sieg wieder ab. Doch muss man berücksichtigen, dass die Mannschaft Leer einen solch großen Spielplatz wie den in Oldenburg zum erstenmale betrat. Im Draufgehen ließ sie es nicht fehlen, doch klappte ihr Zusammenspiel auf dem großen Felde nicht wie sonst. Den Schiedsrichterposten verwaltete Herr Bartholomäus vom Fußballklub Oldenburg ….“ Für nach Ostern wurde ein Rückspiel vereinbart.



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