Wie die Gewächshäuser der Evenburg geheizt wurden

In dieser Folge beschreibt er, dass ein Herausforderung war, die Gewächshäuser zu heizen und immer auf dem je Gewächshaus verschiedenen Temperaturniveau zu halten.

„Gegenüber früheren Verhältnissen ist das Heizen heute (im Jahr 1947, Red.) schon mehr ein Kinderspiel. Die ersten Warmwasser- und Dampfheizungen waren noch unvollkommen und schwer zu bedienen, sie besaßen auch bedeutend weniger Heizkraft. Unsere drei Hauptgewächshäuser wurden von einem großen Kessel mit Dampf geheizt. An den Außenwänden der Häuser entlang standen in Reihen kupferne Kessel mit Wasser gefüllt und mit Deckeln fest verschlossen. Im Warmhause standen diese Kessel etwa zwei Meter voneinander entfernt. In den anderen Häusern, die weniger Wärme nötig hatten, standen sie entsprechend weiter auseinander.

Von den an den Wänden entlang laufenden eisernen Röhren führten kleine kupferne in den Wasserkessel, wo sie in mehreren spiralförmigen Windungen verliefen und auf diese Weise das Wasser durch Dampf erhitzten. An den kleinen Röhren über den Wasserkesseln war ein Ventil angebracht, womit der Dampfzustrom reguliert werden konnte. Oben an den Wasserkesseln befand sich ein kleines Abflussrohr, wo überhitztes Wasser abfließen konnte.

Der große Heizkessel verschluckte eine Menge Feuerung, im Winter vier bis fünf Eisenbahnladungen Steinkohlen, und doch waren bei strengem Frostwetter die Häuser kaum warm genug zu halten. Mit derselben Kohlenmenge könnte heute wohl sechs bis neun solcher Häuser geheizt werden. In dem Ananashause lag noch eine ganz alte Wasserheizung, die auch viel Heizmaterial verschluckte.

Das Heizen mussten wir umgehen lassen, jeden vierten Tag war man wieder an der Reihe. Morgens um sechs Uhr wurde damit angefangen, und um acht Uhr war man fertig. Abends von der Dämmerung an auch bis etwa acht Uhr. Nur bei strengem Frost musste bis 12.00 Uhr durchgeheizt werden. Dass durch den Dampf aus dem Kessel entfernte Wasser wurde mit einer schweren Handdruckpumpe aus einem Brunnen wieder hinein gepumpt, das war eine schwere Arbeit.

Wenn bei starkem Frost die Heizung bis aufs äußerste angestrengt werden musste, hatte man mit Wasser pumpen und Kohle nachwerfen in die große Hitze ausstrahlende, die Augen blendende Kesselfeuerung vollauf zu tun, wollte man allein damit fertig werden. Dann wurde oft der Oberkörper bis aufs Hemd entblößt und man schwitzte trotzdem noch. Demgegenüber ist Heizung mit Koks bei den neueren Heizungsanlagen nur eine Spielerei.

Die Pflanzenarten, welche damals in Gewächshäusern und als Zimmerpflanzen kultiviert wurden, waren zum Teil ganz andere und noch nicht so reichhaltig vertreten, wie dies heute der Fall ist. Manche werden überhaupt nicht mehr kultiviert, weil sie entweder zu wenige oder unbedeutende Blüten bringen oder in der Kultur zu empfindlich  sind, wie zum Beispiel die chinesische Primel, wovon es weiß blühende und rot blühende, einfache und gefüllt blühende Sorten gab. Sie waren früher die hauptsächlichsten im Winter blühende Blumen und wurden in Menge kultiviert. Heute sind sie fast gänzlich von der Bildfläche verschwunden, dafür sind aber andere, ähnliche Primelarten wieder neu eingeführt, die ein gesundes Wachstum haben und dankbar blühen.

Von den heute so zahlreichen Begonien, die sowohl als Zimmerpflanzen wie auch als Zierpflanzen in den Gärten so beleibt sind und vielfache Verwendung finden, gab es nur einige kleinblättrige Arten mit kleinen unansehnlichen Blüten. Genauso war es bei den Herbst- und Winterastern, Dahlien, Georginen und noch einigen mehr.

Foto: Blick auf die Evenburg n Leer-Loga im Frühling.      otg



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